Warum überhaupt zitieren?

«Eine wissenschaftliche Arbeit gründet sich auf bereits bestehendes Wissen. Der wissenschaftliche Fortschritt wäre gering, wenn immer versucht würde, das Rad neu zu erfinden. Das gilt besonders für das wissenschaftliche Arbeiten im Studium: Zum Großteil werden Sie in Ihren Texten vorhandene Literatur zu einem Thema verarbeiten, indem Sie Positionen und Theorien referieren, analysieren, vergleichen und systematisieren. Es gehört zur political correctness wissenschaftlichen Arbeitens, die dabei verwendeten Quellen anzugeben und also genau zu zitieren.» (Niedermair, 2023, S. 237)

Niedermair, K. (2023). Recherchieren, Dokumentieren, Zitieren: Die Arbeit mit wissenschaftlichen Quellen (2., völlig überarbeitete und erweiterte Auflage). UVK Verlag. https://doi.org/10.36198/9783838560663

Wissenschaftlich arbeiten bedeutet Aussagen zu begründen. Beim Begründen der Aussagen gelten wissenschaftliche Standards, um die Überprüfbarkeit sicherzustellen. Nach Niedermair, 2023, S. 239 bedeutet das:

  1. Quellen müssen formal korrekt zitiert sein, um wiedergefunden zu werden.
  2. Quellen müssen inhaltlich korrekt zitiert sein, damit Ihre Aussagen sachlich korrekt und nachvollziehbar sind.
  3. Fremde Leistungen (Quellen) müssen von Ihrer eigenen Leistung unterscheidbar sein, so dass kein Plagiat entsteht (Merkblatt zur Vermeidung von Plagiaten der ZHAW)

Das Urheberrecht besteht automatisch. Es ist keine gesonderte Kennzeichnung notwendig. Es ist also nötig, die Verwendung anderen explizit zu erlauben. Das Urheberrecht ist nach dem Tod des (letzten) Urhebers 70 Jahre gültig (bei Software: 50 Jahre). Ein Werk ist die geistige Schöpfung eines Menschens, welche sinnlich wahrnehmbar ist und ein ausreichendes Mass an Originalitäte besitzt (geistige Schöpfungshöhe).

Es gibt eine Ausnahme: Zitieren ist erlaubt. Werke (Text, Bild, Ton, Film, etc.) dürfen gemäss der Schrankenbestimmung von Art. 25 Abs. 1 URG von jedermann zitiert werden, wobei das Zitat «der Erläuterung, als Hinweis oder zur Veranschaulichung dienen muss» (sog. Belegfunktion des Zitats).

Unzulässig ist ein Zitat, welches beispielsweise nur zur schmückenden Illustration dient, also beispielsweise eine Abbildung ohne inhaltlichen Zusammenhang zum Text. Im Weiteren muss der Umfang des Zitats durch den Zitatzweck gerechtfertigt sein. Das heisst, man darf nur soviel eines Werkes als Zitat verwenden, wie es erforderlich ist. Text nur soviel, wie nötig.

Zitieren meint, das - in der Regel ausschnittsweise - wort- bzw. bild-, tongetreue, etc. Übernehmen eines geschützten Werkes.

Ideen, Beispiele, Argumente, Bilder, Grafiken, Tabellen u.a., die von anderen stammen, müssen als fremdes geistiges Eigentum ausgewiesen werden.

Zitierfähig?

Um die Quelle zu finden, sollten ausreichende bibliografische Angaben vorhanden sein. Dazu gehören Titel, Autor:in, Veröffentlichungsdatum, Auflage und die herausgebende Institution (Verlag, Behörde, Unternehmen, Uni).

Die Quelle sollte generell in einer Form vorliegen, die für alle zugänglich ist. Das heisst, sie muss für alle uneingeschränkt zugänglich sein. Das bedeutet, dass sie an Orten verfügbar sein sollte, die für jede:n offen stehen, wie Buchhandlungen, Bibliotheken, Archive oder durch permanente Internetlinks.

Zitierwürdig?

Es sollte geklärt werden, ob es sich überhaupt um eine wissenschaftliche Quelle handelt, und in einem zweiten Schritt, wie gut wissenschaftliche Qualitätskriterien erfüllt sind. Damit wird die Zitierwürdigkeit abgeschätzt (siehe auch CRAAP-Test).

Zuletzt geändert: Mittwoch, 4. Februar 2026, 12:35